Digitale Achtsamkeit statt blinder Technikglaube

Warum der kompetente Umgang mit KI für den Tourismus entscheidend ist. Oder anders gefragt: Wie viel KI verträgt unsere Realität?

„KI ist wahrscheinlich das Beste oder das Schlimmste, was der Menschheit passieren kann“, sagte der Physiker Stephen Hawking. Da Hawking, 2018 verstorben, den Startschuss der massentauglichen KI-Systeme nicht mehr erlebte, werden andere den Ausgang dieser Entwicklung beurteilen müssen. Doch für das britische Kosmologie-Genie war klar, dass jeder Mensch die Welt mit seinen eigenen Augen und aus der eigenen Perspektive sieht. Alles ist geprägt von eigenen Erfahrungen, dem Umfeld und unendlich vielen kleinen Einflussfaktoren. Oftmals ist es auch nur ein Gefühl, vielleicht Instinkt, der uns weiterfragen oder zweifeln lässt. Aus unseren individuellen Fähigkeiten erwächst so über die Jahre eine einzigartige Intelligenz Informationen aufzunehmen, sie zu verarbeiten, Zusammenhänge zu erkennen und Probleme zu lösen. Oft durch abstraktes Denken, logisches Schließen und Kreativität. Wenn wir das als Definition für Intelligenz nehmen, wird klar, dass die Bezeichnung „Künstliche Intelligenz“ seitens der Tech-Konzerne mindestens anmaßend ist. Denn die aktuellen KI-Systeme denken nicht. Sie verwenden Algorithmen und maschinelles Lernen, um Muster in Daten zu erkennen, um aus Wahrscheinlichkeiten Vorhersagen zu treffen. Je häufiger die KI in den Daten, mit denen sie trainiert wird, bestimmte Informationen findet, desto größer muss ihre Relevanz sein. Ihre Richtigkeit. So die Logik.

Bereit für die neue Realität?

Wer nun aber gehofft hat, KIs würden mit Logik und Analytik in den Datenmengen unbestechlich die richtigen Antworten finden, der irrt. Der KI-Bot von Deepseek aus China antwortet auf politische Fragen ganz anders als das US-amerikanische Chat-GPT. Zwar antwortet der chinesische Bot ziemlich offensichtlich so, dass auch das Zentralkomitee zufrieden nickt, doch sollte niemand von ChatGPT oder Gemini ein Loblied auf den Sozialismus oder ein asiatisches Einparteiensystem erwarten. Die Hoffnung, dass KI uns einen unverstellten Blick auf die Wirklichkeit auf Basis von Fakten gewährt – die Chance ist bereits vertan. Die Antworten sind besonders bei gesellschaftlichen Kontroversen, geopolitischen Konflikten und der Einordnung historischer Ereignisse subjektiven Wahrheiten unterstellt.

Abgesehen also davon, dass das Wissen der Bots keinesfalls frei von Ideologie ist, hat die Hyperindividualisierung der Systemlandschaften durch den Eintritt der KIs weiter Fahrt aufgenommen. Die algorithmische Selektion von Wirklichkeit wird die Dynamik der Filterblasen weiter verstärken. Und schon jetzt wird deutlich, dass eine mehr und mehr fragmentierte Informationswelt auch abseits der sozialen Netzwerke entsteht, in der jeder eine individuell gefilterte Realität geliefert bekommt. Dass KIs nicht zuletzt scheinbar authentische Inhalte in Sekundenbruchteilen selbst erzeugen können, beschleunigt diese Prozesse.

Fokus auf digitale Achtsamkeit

Reddit-Chef Steve Huffman beziffert die Quote der von Bots erzeugten Posts auf seiner Plattform mit rund 50 Prozent. Die englischsprachigen Posts auf LinkedIn werden ebenfalls zu mehr als 50 Prozent automatisiert erstellt. Oder anders gesagt: Auf Social Media unterhalten sich mittlerweile Bots mit Bots. Die Idee eines „sozialen“ Netzwerks ist ad-absurdum geführt!

KI-Sequenzen für die breite Masse zu produzieren, ist übrigens kein Aufwand mehr. Auch erste touristische Destinationen beginnen mit KI-Clips zu experimentieren. Glücklicherweise fallen die meisten aller KI-generierten Veröffentlichungen bisher in die Kategorie Unterhaltung. Doch die künstlichen Videos knüpfen mehr und mehr an (netz-)kulturelle Ereignisse an und stellen echte inhaltliche Verbindungen her, die mediale Relevanz schaffen. Die Folgen für Meinungsbildung, demokratische Prozesse und gesellschaftlichen Zusammenhalt könnten tiefgreifendend sein. Oder warum will man in den USA unbedingt die Kontrolle über TikTok? Auch unsere Arbeitswelt steht vor großen Veränderungen. Wer selbst schon regelmäßig mit ChatGPT, Gemini & Co. arbeitet, weiß: KIs präsentieren Pläne oder Ankündigungen häufig als Ereignisse, erfinden Details und liefern teils irreführende Antworten. Laut einer großen Studie der European Broadcasting Union in 18 Ländern und der BBC aus Oktober 2025 war jede fünfte Antwort im Kern mindestens ungenau, wenn es um aktuelle Geschehnisse ging. Dass der Deutschlandtourismus falschen Fakten mit eigenen Datenbanken begegnet, war daher richtig, konsequent und weitsichtig.

Kompetenzerwerb ist entscheidend

Doch liegt der Grund für falsche oder ungenaue Antworten nicht allein bei den KI-Modellen, die sich rasant weiterentwickeln, sondern auch am langsamen Aufbau von Kompetenz, um mit den Systemen zu arbeiten. Statt nur zu prompten, sollten Nutzer einen Prozess verstehen und präzise beschreiben können, bevor eine Aufgabe an eine KI übergeben wird. Ebenso ist entscheidend, nicht nur zu formulieren, was man will, sondern auch klar zu benennen, was nicht erreicht werden soll. Diese Abgrenzung entscheidet am Ende über das Ergebnis. Dass die TMN in Niedersachsen den Betrieben im Land weiterhin kostenlos die Nutzung der oi platform ermöglicht, ist aus dieser Perspektive ein wichtiges Training für dem richtigen Umgang mit KI.

Doch ist nicht nur entscheidend, wie wir mit KI umgehen, sondern scheinbar auch die Häufifgkeit, mit der Tools wie ChatGPT zum Einsatz kommen. Ein neuer Bericht des Work AI Institute kommt zu dem Ergebnis, dass generative KI die grundlegenden Fähigkeiten von Mitarbeitern untergraben könnte. Besonders Berufseinsteiger riskierten den Verlust wichtiger Fähigkeiten. Mit einem kurzfristigen Produktivitätsgewinn könnte langfristig ein Kompetenzverlust einhergehen.

Doch deshalb die enormen Chancen der KI für Analysen, Prozessoptimierung und Content-Generierung nicht weiterverfolgen? Auf keinen Fall! Dass mehrere Landesorganisationen aber inzwischen Leitfäden zum richtigen Umgang mit KI-Tools herausgegeben haben, zeigt, dass man sich den Herausforderungen frühzeitig stellt und den Umgang mit der Technologie aktiv gestalten möchte. Und muss.