Teil 1: Mehr Mut, weniger Warten: Wie Hackathons Destinationen voranbringen

Jessica Battram
27. Oktober 2026
ca. 8 Min.
Digitalisierung
Künstliche Intelligenz

Bisher hieß Digitalisierung: ausschreiben und warten

Wer in einer Destination eine neue digitale Lösung braucht, kennt den Ablauf: Anforderungen festhalten, Ausschreibung veröffentlichen, Angebote vergleichen, Zuschlag erteilen und dann auf das Ergebnis warten. Dabei fließen viele Monate Arbeit ein: Fachabteilungen schreiben Lastenhefte, Jurist:innen prüfen die Vergabeunterlagen, Angebote werden bewertet, Gremien stimmen zu. Zeit, Personal und Budget sind damit lange gebunden, bevor eine beauftragte Agentur überhaupt mit der Projektarbeit beginnt. Am Ende steht oft ein Ergebnis, das den ursprünglichen Bedarf nur teilweise trifft, weil sich über viele Monate zwischen Pflichtenheft und Umsetzung vieles verändert hat. 

Der alte Weg hatte seine Berechtigung. Er schafft Transparenz, schützt vor Fehlentscheidungen und ist bei öffentlichen Auftraggeber:innen oft verpflichtend. Doch er setzt voraus, dass man vorher genau weiß, was man braucht. Mit KI wird diese Annahme zunehmend fragwürdig. Wer Ideen schneller testen kann, als sie zu beschreiben, gewinnt Gestaltungsspielraum. Die meisten Möglichkeiten zeigen sich erst, wenn man sie ausprobiert.

Vom Pflichtenheft zum gemeinsamen Ausprobieren

Eine Antwort darauf ist der Hackathon. Der Begriff klingt nach Technik, beschreibt aber vor allem eine Arbeitsweise.

Ein Hackathon ist kein reiner Programmierwettbewerb. Er ist eine konzentrierte Arbeitsphase, in der ein oder mehrere Teams an ihrer selbst definierten Aufgabe arbeiten und am Ende ein greifbares Ergebnis zeigt. Das Prinzip ist simpel: Idee rein, Lösung raus, und das in Tagen statt in Monaten. Dazwischen formuliert das Team die Aufgabe, lässt sich von einer KI beim Bauen helfen, oft im Dialog, dem sogenannten Vibecoding, und entwickelt daraus einen Prototyp, den man direkt ausprobieren kann. Genau hier stellt der Hackathon die klassische Vorgehensweise auf den Kopf: Im Vergleich zum alten Weg dreht er die Reihenfolge um. Statt zuerst alles festzulegen und dann zu bauen, startet man mit einer konkreten Aufgabe und probiert gemeinsam aus, was funktioniert. Er ist keine Vergabe, sondern ein Format, in dem Ideen konkret werden.

Wie schnell das gehen kann, zeigte sich vor kurzem in NRW. 

Eine Gruppe Touristiker:innen verband Fachexpertise mit KI und hatte nach zwei Tagen mehrere klickbare Anwendungen. Der Ablauf war klar gegliedert: Zuerst stand die Planung im Vordergrund, also die Aufteilung der Aufgaben, bevor es an die Umsetzung ging. Die KI übernahm den ausführenden Teil, während n8n als deterministisches Grundgerüst für verlässliche Abläufe sorgte. Auf Basis eines fertigen Starters mit Next.js und React entstand eine Oberfläche, die Coolify automatisch baute und unter eigener Adresse ins Netz stellte. So ließ sich das Ergebnis direkt vorzeigen. 

Begleitet wurde die Einführung von Prompt- und Technikexpert:innen Friedemann Schütz und Bastian Hiller von unseren Partner:innen. Bei den Reaktionen der Hackathon-Teilnehmer:innen zeigt sich dabei immer wieder dasselbe Muster: Zu Beginn ist die Skepsis groß, weil die Aufgabe nach Technik klingt. Am Ende staunen die Teams, was sie in so kurzer Zeit selbst gebaut haben.

So läuft ein Hackathon in der Regel ab

Die Destination kann eine konkrete Aufgabe mitbringen, etwa die Auswertung von Gästeanfragen, die Pflege von Veranstaltungsdaten oder eine Idee, die schon lange auf dem Zettel steht. Viele Ideen entstehen aber auch spontan, direkt am Tisch. Dort sitzen etwa Menschen aus Marketing, Gästeservice oder Veranstaltungsmanagement, dazu Expert:innen, die die Gruppe ans Vibecoden heranführen. 

Die technische Basis liefert one.intelligence im Hintergrund: Die Arbeitsumgebung ist vorbereitet, sodass sich die Teams auf ihren Prozess konzentrieren können. Abläufe entstehen in n8n, Oberflächen in Next.js und React, und ein KI-Assistent wie Claude Code, Codex oder OpenCode ist damit verbunden. Gemeinsam werden Aufgaben geschärft, erste Prototypen entstehen und werden am Ende vorgestellt. Je nach Umfang dauert ein Hackathon einen halben Tag bis mehrere Tage und bewegt sich damit zeit- und kostentechnisch im Rahmen anderer Workshops. Dabei kann die KI sowohl echte Gästedaten verwenden oder realistisch wirkende Dummydaten erzeugen. Ideen gibt es in jeder Destination genug. Was oft fehlt, sind die Infrastruktur und jemand, der das Ausprobieren begleitet. Was dabei entsteht, ist kein fertiges Produkt, sondern ein erster greifbarer Prototyp, der zeigt, ob eine Idee trägt.

Hackathons werden die Branche und bisherige Abläufe stark disruptieren.
Stefan Huber, CTO destination.one

Was sich durch zügiges Ausprobieren verändert

Wer Ideen schnell testen kann, gewinnt Spielraum bei der Gestaltung. Nicht mehr das umfangreichste Lastenheft entscheidet, sondern das, was in der Praxis funktioniert. Denn der größte Vorteil liegt im Tempo der Erkenntnis: Ein Fehlschlag kostet einen Tag statt ein ganzes Projektbudget.

Ein agileres Vorgehen erlaubt es, mit Veränderungen umzugehen, statt ihnen hinterherzulaufen. Denn Rahmenbedingungen verschieben sich heute laufend: neue Vorgaben, neue Daten, neue Erwartungen der Gäste. Ein Pflichtenheft, das Monate vorher geschrieben wurde, ist oft schon überholt, bevor die Umsetzung beginnt. Ein Hackathon arbeitet in kurzen Schleifen und passt sich an, während er läuft. Genau diese Geschwindigkeit wird zunehmend wichtig.

Und was ändert sich für die Beteiligten? Früher war die Destination vor allem Auftraggeberin: Sie formulierte Anforderungen, wartete und nahm ab, was am Ende geliefert wurde. Heute bringt sie ihr Wissen und ihre Fragen mit und kann vieles selbst ausprobieren. Ihr Fachwissen wird dabei zum eigentlichen Kern, denn nur wer den Alltag kennt, kann feststellen, welche Lösung wirklich hilft. Agenturen und Dienstleister:innen verlieren ihr klassisches Modell nicht, aber es wird komprimiert: Aus Lastenheft, Pitch und Umsetzung wird ein gemeinsamer Arbeitsprozess. Ihre Bedeutung wird damit nicht kleiner, sondern eine andere. Sie begleiten das Ausprobieren, bringen Erfahrung bei Qualität und Betrieb ein und helfen, aus einem Entwurf etwas zu machen, das verlässlich läuft. Programmierer:innen und Vibecoder:innen bringen technische Fähigkeiten mit, und die sind wertvoll. Mindestens genauso wichtig werden aber Mut und Kreativität, also die Bereitschaft, neue Wege auszuprobieren und Ideen ernst zu nehmen, die auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken.

Die stillen Stakeholder

Ein Hackathon liefert zwar einen Proof of Concept: schnell, greifbar, aber noch keine Lösung, die man einfach live stellt. Erst danach stellt sich die Frage, was eigentlich mit den Prototypen passiert. Dann geht es um Anforderungen, die sich beim Ausprobieren verändert haben, um Datenqualität und Rechtssicherheit und um die Frage, wer die Lösung später betreibt und verantwortet.

Genau hier kommen die stillen Stakeholder ins Spiel. Gemeint sind Menschen, die im Hackathon selten im Raum sitzen, aber später mitentscheiden: die IT, die den Betrieb übernimmt, der Datenschutz, der jede Datenquelle prüft, Gremien und Gesellschafter:innen, die Budgets freigeben.

Hier liegt der eigentliche Wert des Hackathons: Er ist der schnellste Weg zu sehen, ob eine Idee trägt, und zugleich der beste Startpunkt, um die stillen Stakeholder früh mitzunehmen. Wer sie einbindet, bevor viel Budget fließt, macht aus einem Prototyp eine Lösung, die auch hält.

Für destination.one heißt das, Destinationen auf diesem Weg zu begleiten, und zwar über den gesamten Weg: vom ersten Ausprobieren über die Entscheidung, welcher Prototyp produktiv gehen soll, bis zum Betrieb. Wir bringen die technische Basis mit, one.intelligence als gemeinsame Plattform, und die Erfahrung, wie aus einer Idee ein stabiler Dienst wird. Der Prototyp gehört dabei der Destination, die danach selbst entscheidet, was damit geschieht. Die Branche braucht dafür Partner:innen, die nicht nur Ideen befürworten, sondern Verantwortung für die Produktivstellung mit übernehmen. Welche Schritte nach dem Hackathon sinnvoll sind, besprechen wir gemeinsam und individuell.

Einfach mal anfangen

Wer eine Idee hat, die im Alltag der Destination fehlt, braucht dafür kein Technikprofil. Der Hackathon findet vor Ort statt und setzt auf one.intelligence als gemeinsame Basis.

Veränderung fühlt sich am Anfang ungewohnt an, und das ist in Ordnung. Wer den ersten Schritt wagt, merkt schnell, wie viel im eigenen Team steckt und wie viel mehr möglich ist, als der alte Weg vermuten ließ. Wir freuen uns auf Destinationen, die den Mut haben, einfach einmal etwas Neues auszuprobieren und Kreativität Raum zu geben. Interessierte können sich gern an unseren Vertrieb unter sales@destination.one wenden. Los geht's! Den Überblick über alle Bausteine der Plattform findest du in der Infrastruktur-Dokumentation.

Teil 2 der Serie erscheint in Kürze: Friedemann Schütz zeigt unter dem Titel „Bauen statt zuschauen: Wie KI-Kompetenz im Tourismus entsteht“, wie die Umsetzung in der Praxis aussieht.

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Jessica Battram
Head of UX Design destination.one GmbH
Die Diplom-Designerin bringt 20 Jahre nationale und internationale Berufserfahrung aus Kairo mit und hat ihren Kompetenz- und Arbeitsschwerpunkt im Screendesign und der User Experience. Mit internationalen Design-Awards und fachlichem Know-How gestaltet sie zahlreiche Digitalprojekte im Bereich Tourismus federführend und leitet bei destination.one seit 2013 die Screendesignabteilung.